Vom Wollen zum Tun mit der 72 Stunden-Regel

So oft – und das nicht nur zum Jahreswechsel – haben wir gute Vorsätze. Oder aber wir kommen von einer Weiterbildung und sind voller Begeisterung über das Gelernte und wollen es sofort in die Tat umsetzen. Vielleicht nehmen wir uns vor, Dinge anders zu machen oder wir wollen uns neue Verhaltensweisen angewöhnen. Doch leider bleibt es sehr oft bei dem Vorsatz, der guten Absicht. Gründe dafür gibt es viele. In Bezug auf das berufliche Umfeld holt uns der Alltag sehr schnell ein. Vielleicht kann Ihnen die Kenntnis einer kleinen Regel helfen, dieses Muster zu durchbrechen und vom Wollen ins Tun zu kommen: die 72-Stunden-Regel. Sie besagt:

Wenn wir uns etwas vornehmen, müssen wir innerhalb von 72 Stunden (also drei Tagen) den ersten konkreten Schritt unternehmen. Andernfalls sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass wir es wirklich umsetzen auf 1%.


Natürlich dürfen wir diese Regel eher als Faustformel denn als “empirischen Beweis mit einer Genauigkeit in der vierten Nachkommastelle” verstehen. Die Regel soll verdeutlichen, dass die Impulskraft einer Veränderungsabsicht schnell abflacht. In dieser Phase stehen wir alle einem ganz seltsamen Haustier gegenüber: dem „inneren Schweinehund“. Es geht einfach gesagt darum, dass der erste Schritt „uns in Bewegung“ bringt, die Veränderung einleitet und dies umso leichter ist, wenn dieser Schritt in der Phase hoher Motivation erfolgt.


Diese Regel hilft aber nicht nur dabei in Bewegung zu kommen, nein, sie hilft auch dabei in Bewegung zu bleiben! Denn nach dem ersten Schritt ist er schon wieder da, der „innere Schweinehund“. Versuchen Sie also den Zeitraum zwischen den Aktionen immer kleiner als drei Tage zu halten. Und die Motivation wird durch das Erfolgserlebnis, einen echten Schritt getan zu haben wieder „aufgefüllt“.


Umsetzungsideen

Nachfolgend möchte ich ein paar Anregungen geben, die hilfreich sein können.
• Schreiben Sie Ihren Veränderungswunsch auf
• Definieren Sie ein motivierendes Ziel (SMART)
• Erstellen Sie einen Umsetzungsplan
• Führen Sie Buch über die geplanten und erledigten Schritte
• Optional: Verwenden Sie bspw.die Pomodoro-Technik
• Optional: Suchen Sie sich einen Partner, der das gleiche Ziel verfolgt



Ich möchte Ihnen ein kleines Beispiel geben, wie ich persönlich das mit einem bestimmten Veränderungswunsch löse: Als Business Trainer im Bereich Führungskräfteentwicklung reise ich viel, übernachte oft auswärts und bin in den Hotels meist kulinarischen Verlockungen und Versuchungen ausgesetzt. Dies führt dann irgendwann dazu, dass wegen der Kombination aus zu wenig Bewegung/Sport und zu kalorienreichem Essen der auf der Waage angezeigte Wert bzw. das im Spiegel gezeigte Bild keine Freude mehr bereitet.


Titel meiner persönlichen Veränderung „10.000 in 2020“

(Start 01.01.2020)


Schritt 1:

Definiere ein motivierendes Ziel =>Zielgewicht bis 30.03.2020 erreicht haben und bis 31.12.2020 halten

Schritt 2:

Plan: Tägliche Gewichtskontrolle und tägliche kurze Sporteinheiten, die überall durchgeführt werden können

Konkret: 10.000 Liegestütze, 10.000 Situps, 10.000 Kniebeugen p.a. ; 10.000 p.a. => 28 pro Tag gerundet

Motivierender Titel = >>10.000 in 2020 <<

Schritt 3:

Täglich wiegen + 28 Liegestütze täglich + 28 Situps täglich + 28 Kniebeugen täglich

Schritt 4:

Excel-Tabelle für jeden Monat erstellen, in der ich das gewogene Gewicht und die durchgeführten Übungen handschriftlich (!) eintrage. Sind alle Werte im grünen Bereich erhält der Tag mit grünem Leuchtstift (handschriftlich) eine Erfolgsmarkierung.


Glauben Sie mir, ich will, dass jeder Tag eine grüne Markierung erhält. Ich kann sagen: Es funktioniert! Oder um es mit Erich Kästner zu sagen: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“