Remote Work und Home Office – Fluch oder Segen?

Diese Frage kann natürlich nicht pauschal beantwortet werden. Aber eines kann mit Sicherheit gesagt werden: In Bezug auf das Thema „Arbeiten außerhalb des Büros“ hat das Coronavirus die Digitalisierung der Arbeitswelt schneller verändert, als alle anderen Einflussfaktoren davor.

Doch gilt es zunächst einmal die beiden Begriffe Home Office und Remote Work sauber von einander abzugrenzen, denn es gibt maßgebliche Unterschiede:

Remote Work = mobiles, flexibles und ortsungebundenes Arbeiten
Home Office = Arbeit von zu Hause, in den eigenen vier Wänden

In beiden Fällen findet während der Arbeitszeit kein persönlicher Kontakt statt, die Kommunikation mit Kollegen und Vorgesetzten erfolgt elektronisch über das Internet und über das Telefon.

Insbesondere das ortsungebundene Arbeiten ist erst durch die Digitalisierung der technischen Infrastruktur (Geräte, Programme und Breitbandverbindungen) möglich geworden. So sehr es vor dem Coronavirus auf beiden Seiten, also Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Wünsche und Vorbehalte gab, so hat das Coronavirus quasi „über Nacht“ Fakten geschaffen, indem weltweit Millionen von Arbeitnehmer:innen ins Home Office gesendet wurden. In einer von Abendroth und Lott 2019 durchgeführten Umfrage hatten 82% der Männer und 65% der Frauen geantwortet, das Home Office “für den eigenen Job unangemessen” sei. Wie sehen die Ergebnisse heute aus? Ich bin gespannt auf die erneuerte Umfrage.

Telearbeit

Man unterscheidet drei verschiedene Arten von Tele-Arbeit

Heimbasierte Arbeit 

Es wird ausschließlich von zu Hause gearbeitet.

Alternierende Telearbeit 

Wechselweise wird im Büro und zu Hause gearbeitet

Mobile Telearbeit 

Es wird auf mobilen Endgeräten und unterwegs gearbeitet. Insbesondere bei Außendienstmitarbeitern ist dies der Fall, Arbeitsorte variieren dauerhaft.

Wie hat sich unser Arbeitsplatz in der Coronakrise verändert?

Welche Aspekte spielen denn beim digitalen Arbeitsplatz eine Rolle? Zum einen natürlich die Endgeräte, also: Desktop, Notebook, Tablet, Smartphone. Natürlich alle miteinander synchronisiert, also identische Datenstände auf allen Geräten. Und, auch in Zeiten des papierlosen Büros – noch immer: der Drucker.

Dann natürlich Anwendungen, Programme, Prozesse, Kommunikationswege und -mittel. Und nicht zu vergessen: Infrastrukturen, die gegen Angriffe oder unberechtigten Zugriffe schützen (Stichworte Firewall und VPN)

Lassen Sie uns einen kategorisierten Blick werfen:

Kommunikation und Nachrichtenübermittlung: Das können sowohl Intranet-Portale sein (flächendeckend) als auch Emails und Online-Chats

Produktivität: Programme und Anwendungen, die die parallele Bearbeitung mehrerer Nutzer an einem Dokument erlauben (Cloud-Anwendungen)

Business-Anwendungen: Self-Service Systeme wie Reisekostenabrechnung, Zeiterfassungssysteme u.a.m.

Zusammenarbeit: online-Meetings mit / ohne Videoübertragung, Web-Konferenzen, Webinare

Crowdsourcing: Sammeln von Ideen und Vorschlägen von Mitarbeitern (Umfragen, Foren)

Verbundenheit: Einfache Wege und Möglichkeiten Hilfe bzw den richtigen Ansprechpartner zu finden (Mitarbeiterverzeichnisse, First- und Second-Level-Support, Organigramme)

Mobilität: Ortsungebundener Einsatz von Endgeräten

Lernen: Berufliche Bildung findet zunehmend am Arbeitsplatz und als Bestandteil des Berufsalltags statt, alle vorgenannten Punkte ermöglichen dies

Eine aktuelle Studie* hat ergeben, das 84 % der Menschen in der Quarantäne „digital neue Wege“ gegangen sind. E-Learning steht mit 33% dabei sehr weit oben. Diese Ergebnisse sind nach meiner persönlichen Einschätzung auf Europa übertragbar. [*Kantar, survey measures coronaviraus outbreak’s impact on china’s comsumption , 2020]

Der durch Corona erzwungene Umstieg auf Home Office hat die Unternehmen unterschiedlich stark gefordert. Einige Firmen waren gut vorbereitet, andere mussten in Windeseile die technischen Möglichkeiten schaffen. Die Herausforderung dabei ist nicht nur, dass Mitarbeitende von zu Hause arbeiten können, denn das geht im Zweifel auch mit dem privaten PC. Diese sind jedoch deutlich schlechter geschützt gegen Cyberangriffe. Möglicherweise sind die privaten Desktop-Rechner und Notebooks auch schon mit Viren und Trojanern verseucht, ohne dass dies dem Eigentümer bekannt ist. Außerdem wurde eine starker Anstieg an Phishing-Attacken verzeichnet. Besondere Vorsicht und ein geschultes Bewusstsein für Gefährdungspotentiale sind geboten.

Remote Work und Home Office – Fluch oder Segen?

Zurück zur Ausgangsfrage: Remote Work und Home Office – Fluch oder Segen. Ich kenne viele Menschen, die – vor Corona – wiederholt den Wunsch geäußert haben, von zu Hause arbeiten zu dürfen. Diese Menschen haben die Home Office Realität mit ihren Erwartungen abgleichen können. Gleiches gilt natürlich für jene, die eher „unfreiwillig“ von zu Hause gearbeitet haben. Nun haben wir beides in der Praxis kennengelernt. Vielleicht schätzen wir künftig die Arbeit im Büro und zusammen mit Kolleg:innen mehr als vorher. Vielleicht hat sich auch gezeigt, dass einige Vorbehalte auf Arbeitgeberseite unbegründet waren. Sicher scheint mir, dass auch in diesem Thema die Welt nach Corona eine andere sein wird als vorher. Im besten Fall findet sich eine Balance, die beiden Seiten gerecht wird.